Morbus Parkinson

Häufigkeit und Ursachen

In Deutschland leben etwa 300 000 Menschen mit einem Morbus Parkinson. Da zunehmendes Alter der größte Risikofaktor für die Entwicklung eines Parkinson-Syndroms ist, ist in den kommenden Jahren wegen der zunehmenden Lebenserwartung auch mit einer Zunahme von Parkinson-Erkrankungen zu rechnen. Männer haben ein leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zu Frauen. Raucher und Personen mit hohem Kaffeekonsum erkranken etwas seltener.

5-10% der Parkinson-Erkrankungen haben genetische Ursachen, darüber hinaus werden aber sowohl eine genetische Prädisposition wie auch Umweltfaktoren diskutiert. Verwandte ersten Grades haben ein gegenüber der Alterswahrscheinlichkeit verdoppeltes Risiko.

Kriterien

Diagnosekriterien:
Zwingend muss eine Bradykinese (Verlangsamung von repetetiven Bewegungen) vorliegen.
Außerdem muss ein weiteres Kardinalsymptom vorliegen:
Rigor: passive Bewegungen der Extremitäten führen häufig zu einem Zahnradphänomen
Tremor: ein Zittern fällt vielen Patienten als erstes Symptom auf und ist bei etwa 50% der PAtienten zu Beginn vorhanden, 15% der Patienten werden aber auch bei langjährigem Verlauf nicht zittern.
posturale Instabilität: es kommt im Spätstadium der Erkrankung häufig zu einer Standunsicherheit mit Fallneigung vor allem nach hinten.

Unterstützende Kriterien:
Einseitiger Beginn: häufig als vermindertes Mitpendeln eines Arms beim Gehen
Positive Reaktion auf Levodopa:
Störung des Geruchssinns: diese geht den motorische Symptomen häufig um Jahre voraus
Störungen des Traumschlafs: könne Erstsymptome sein (z.B. um sich schlagen, Sprechen im Schlaf), sind aber nicht spezifisch
Mikrographie: ein weiteres Frühsymptom ist die Verkleinerung der Schrift

Differentialdiagnosen

Stadien nach Höhn & Yahr

Verlaufsformen

Äquivalenztyp: alle Kardinalsymptome sind vorhanden
Rigor-Akinese-Typ: die Verlangsamung von Bewegungsabläufen steht im Vordergrund
Tremor-Dominanz-Typ: die Erkrankung wird durch das Zittern dominiert, prognostisch ist der Verlauf zwar langsamer, leider spricht der Tremor aber häufig nicht so gut auf Medikamente an

Nicht-motorische Symptome

Im Laufe der Erkrankung kommt es häufig zu Störungen des autonomen Nervensystems:
- kardiovaskulären Störungen: z.B. orthostatische Hypotension
- gastrointestinalen Störungen: Schluckstörungen, Verstopfung, ...
- urogenitalen Störungen: Inkontinenz, Impotenz
- Störung der Schweißproduktion + Talgproduktion

Außerdem kommt er im Verlauf häufig zu psychischen Auffälligkeiten:
In einer Querschnittsuntersuchung bei 1331 Patienten (Riedel et. al 2008) bestand eine Demenz bei 41%, eine Depression bei 38% und eine Psychose bei 20% der Parkinson-Patienten.

Diagnostik

Parkinson ist vor allem eine klinische Diagnose, die sich in den meisten Fällen durch die Anamnese und den neurologischen Untersuchungsbefund stellen lässt. Häufig werden dabei auch Skalen wie der UPDRS eingesetzt.
Im L-Dopa-Test werden motorische Symptome vor und 30 Minuten nach Gabe von 300mg L-Dopa beurteilt.
Bei klinischem Verdacht erfolgt in der Regel eine zerebrale Bildgebung mittels CCT oder MRT des Schädels, um mögliche klinisch nicht entdeckte Differntialdiagnosen auszuschließen.
Noch nicht als Standard eingesetzt wird die transkranielle Duplexuntersuchung der Substantia nigra.
SPECT-Untersuchungen werden ebenfalls nicht routinemäßig, sondern nur in einzelnen differentialdiagnostisch schwer einzustufenden Fällen eingesetzt.

Medikamentöse Therapie

Operative Therapieoptionen

Nach zwei negativen Doppelblindstudien wurden 2003 Transplatationen in den USA als momentan ungeeignete Methode zur Behandlung von Parkinson-Patienten deklariert.
Zur Zeit laufen Studien zur Implantation von Speraminen.
Von unumstrittenem Nutzen hingegen ist die tiefe Hirnstimulation des Nucleus subthalamicus. Momentan wird diese Methode bei medikamentös nicht ausreichend zu beeinflussenden Patienten eingesetzt. Welche Patienten evtl. auch von einer frühen Operation profitieren würden ist zur Zeit noch strittig.